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19.01.13 - 10:08 Uhr

Mieterverein verlangt von der Wohnbau Modernisierung mit Augenmaß

Die Mieter können nach der Sanierung zwar ihre Heizkosten bezahlen, aber nicht mehr die Kaltmiete, denn sie steigt dramatisch an.“ Das werde an einer Modellrechnung deutlich: Um die Heizungs- und Warmwasserkosten zu senken, muss der Hauseigentümer viel Geld investieren. Für eine 80 qm-Wohnung sind es rund 20.000 €, um den Wärmebedarf von 200 kWh/m²/Jahr auf 100 kWh/m²/Jahr zu reduzieren. 11 % davon darf der Vermieter auf die Jahresmiete aufschlagen. Das führt zu einer Mieterhöhung von 183 € pro Monat. Dem stehen aber nur Heizkosteneinsparungen (inkl. Warmwasser) von bestenfalls 45 € – 50 € gegenüber.

 So seien in dem energetisch modernisierten Haus der Wohnbau „Trieb 1“(mit einem Energieverbrauch von nur 25 kW/qm) die Mieten von ursprünglich 3,50 € - 5 € auf 6,40 € gestiegen, während die Heizkostenersparnis  weiter geringer ausfalle. Selbst wenn die von der Wohnbau genannte Ersparnisangabe von 80% zutreffe, woran aber Zweifel bestehen, da für die Berechnung auf einem Vergleich mit den Verbrauchszahlen des noch nicht sanierten Hauses „Trieb 3“ zurückgegriffen wurde und man damit „Äpfel mit Birnen“ vergleiche, beläuft sich die Ersparnis für die Mieter auf nur 0,88Euro/qm.

 „An dem Beispiel wird deutlich, dass die Belastungen einseitig und ungerecht verteilt sind“, kritisiert Kaisers. „Schließlich hat der Vermieter von der Sanierung ja auch Vorteile, etwa die langfristige Sicherung der Vermietbarkeit seiner Wohnungen, die weniger teure Energie verschlingen. Bei der Wohnbau bestreite man diese Argumentation gar nicht, man verweise aber auf die Zuständigkeit der Politik für die Lösung der sozialen Fragen. „Damit macht es sich aber ein städtisches Wohnungsunternehmen zu einfach, das nach seiner Satzung eine Sozialverpflichtung hat. Es geht nicht an, das wohnungsunternehmerische Risiko zum größten Teil auf die Mieter zu verlagern. Die Mieter zahlen trotz erheblicher staatlicher Zuschüsse mit stark erhöhten Mieten die Modernisierungskosten, während der Vermieter (die Wohnbau) lediglich die Finanzierungskosten trägt, die dann auch noch steuerlich geltend gemacht werden können“, kritisiert Kaisers.

Er fordert den Wohnbau-Chef Volker Behnecke auf, nicht weiterhin Nebelkerzen zu werfen und die Öffentlichkeit mit technischen Daten über die wirkliche finanzielle Belastung der Mieter in den hocheffizient sanierten Gebäuden zu täuschen. „Mit Bruttomieten von teilweise über 10 Euro pro Quadratmeter im hocheffizient sanierten Wohnbau-Haus in der Heinrich-Will-Straße 15-19 ist der Bogen längst überspannt.“

Und die Bundesregierung wisse nichts Besseres, als die Mieter in ihren Rechten zu beschneiden. Sie müssen nun die volle Miete zahlen, obwohl ihr Wohnkomfort aufgrund der Modernisierungsmaßnahmen über Monate stark eingeschränkt wird. Kaisers meint dazu: „So diskreditiert man die Energiewende und sorgt dafür, dass die Ablehnung in der Bevölkerung dagegen steigt, obwohl das Vorhaben gesellschaftlich sinnvoll ist“, meint der Mietervereinsvorsitzende.

Er verlangt von der Wohnbau eine energetische Modernisierung, die Mieter mit niedrigen Einkommen nicht finanziell überfordere. Empfänger von staatlichen Leistungen wie Hartz-4 müssten wegen Überschreitung der vom Jobcenter gezogenen Grenzen für die Angemessenheit der Wohnkosten aus modernisierten Wohnungen ausziehen. Deshalb verlangt der Mieterverein von der Wohnbau  die strikte Einhaltung des Grundsatzes der Warmmietenneutralität als Grundvoraussetzung für die Akzeptanz der Sanierungen.  Das bedeutet, die Kaltmiete darf nur in dem Umfang steigen wie die Wärmekosten sinken.

 „Die Wohnbau Gießen ist eines der wenigen Wohnungsunternehmen, die unbedingt den teuren Passivhaus-Standard anstrebt, um so das letzte Quäntchen Energieeinsparung herauszuholen. Eine Optimierung der Heizungsanlagen und des Pumpensystems bringt oft schon allein eine Heizkostenreduzierung von ca. 25 %, kommt noch die Dämmung des Dachbodens und des Kellers hinzu, erreicht man fast 50 %, ohne dass dadurch die Mieten explodieren,“ meint der Mietervereinsvorsitzende.

Die hessische Umweltministerin Puttrich (CDU) habe denn auch bei der Überreichung des Förderbescheids für das Haus „Trieb 3“ an die Wohnbau fast flehentlich darum gebeten, sich an der Wohnbau ein Beispiel zu nehmen. Man könne im Interesse der Mieter nur hoffen, dass ihre Bitte ungehört bleibt.