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05.09.11 - 10:04 Uhr

Mieterverein bezieht Position zur Bilanz der Stadtwerke Gießen (SWG)

„Licht und Schatten in der Unternehmenspolitik der SWG“ zeigen sich nach den Worten des Mietervereinsvorsitzenden, Stefan Kaisers, in der jetzt vorgelegten Jahresbilanz des städtischen Unternehmens für das Jahr 2010. „Der erwirtschaftete  Überschuss von 3 Mio. Euro, unter Einbeziehung der Mit.Bus GmbH und der Heizkraftwerks GmbH sogar 3,4 Mio Euro, ist durchaus beachtlich. Den Magistrat wird es freuen, fließt der Ertrag doch in den maroden Stadthaushalt .“

Die Klage der SWG über eine geringere Gewinnmarge, sei die Folge eines sich langsam entwickelnden Wettbewerbs und der zunehmenden Zahl an Kunden, die genauer nachrechnen würden, zu welchem Preis und von wem sie ihre Energie  beziehen. Wenn der Vorstand stolz darauf verweise, dass man trotz steigender Beschaffungskosten für Gas und Strom die Preise für beide Energieträger bis zum Jahresende stabil halten wolle, so sei das zu begrüßen, aber keineswegs als selbstlose Wohltat zu verstehen. „In den aktuellen Preisrankings einschlägiger Energievergleichsportale, etwa Verivox, stehen die Stadtwerke mit ihren Angeboten nur auf mittleren Plätzen. Das bedeutet, das SWG-Preisniveau ist im Vergleich zur Konkurrenz recht hoch und man kann damit auch die höheren Beschaffungskosten noch gut wegstecken, ohne in die Verlustzone zu geraten. Wir sind gespannt, wie sich das Ende der Bindung des Gaspreises an den Ölpreis als Vertragsgrundlage für den Gasbezug von den Vorlieferanten auswirken wird, den die SWG für diesen Herbst angekündigt haben“, sagt Kaisers.

Positiv sei die eingeschlagene Strategie der SWG, sich vom Preisdiktat der großen Stromkonzerne unabhängiger zu machen, indem man die Energie verstärkt aus regenerativen Quellen mit Hilfe moderner Technik (Kraft-Wärme-Kopplung) vor Ort selber erzeugt. Doch sei das verstärkte Engagement bei Biogasanlagen angesichts noch zahlreicher offener Fragen in puncto Klimabilanz (Stichwort: „Methanschlupf“, Ammoniakemissionen,...) und vielfältiger ökologischer Folgewirkungen („Vermaisung“) zweifelhaft. „Besser als der Einstieg in Offshore-Windkraftanlagen wäre eine Beteiligung an solchen Anlagen im heimischen Raum. Denn das reduziert den Zwang zum teuren und umstrittenen Ausbau umfangreicher Stromleitungssysteme, die zudem beträchtliche Leitungsverluste mit sich bringen“, so Kaisers. Leider gebe es in Hessen noch immer erhebliche Blockaden für den weiteren Ausbau der Windenergie von Seiten der hessischen Landesregierung, die die Entwicklung jahrelang verschlafen habe.

Ausdrücklich begrüßenswert sei das Projekt „En5“, mit dem die Stadtwerke ihre gewerblichen Kunden dabei unterstützen, die Energie effizienter zu nutzen. Denn für das Klima und den Geldbeutel sei die beste Energie diejenige, die gar nicht verbraucht werde.

 „Was die Bemerkungen des SWG-Chefs Siekmann zum Thema Rekommunalisierung der Wasserversorgung angeht, so müssen wir ihm entschieden widersprechen. Die in Gießen zum Jahresbeginn erfolgte „Flucht in das Gebührenrecht“ ist nur der durchsichtige Versuch, die vermutlich deutlich überhöhten Wasserpreise in Gießen beizubehalten und sich keiner effizienten Wasserpreiskontrolle zu stellen. Das wird sich über kurz oder lang als  Trugschluss erweisen“, sagt der Mietervereinsvorsitzende.