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20.09.11 - 10:03 Uhr

Mieterverein : Engpässe bei der studentischen Wohnraumversorgung in Gießen

 

Angesichts des besonders großen Ansturms an Erstsemestern im bevorstehenden Wintersemester an der Justus-Liebig-Universität und der THM zeigt sich der Mieterverein besorgt über die Wohnraumversorgungssituation in Gießen. Aufgrund des Wegfalls der Wehrpflicht und als Folge der G8-Regelung an den Gymnasien drängen praktisch zwei Jahrgänge an die Hochschulen. Das hat auch Auswirkungen auf das Wohnen der Studiosi. 

„Schon in der aktualisierten Fassung des kommunalen Wohnraumversorgungskonzeptes der Stadt aus dem Jahre 2009 ist zum Punkte der Studenten die Rede von einer „Mangelversorgung“ und „vielen überteuerten Angeboten sowie minderer Wohnqualität. Nur jeder sechste Student halte den verlangten Mietpreis für akzeptabel“. Darauf verweist der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers. Geschehen sei  von Seiten der Stadt nichts und er kritisiert, dass es nicht angehen könne, sich stolz „Universitätsstadt“ zu nennen und die Studierenden zur Verlagerung ihres Wohnsitzes nach Gießen aufzufordern, sie bei der Wohnraumsuche aber alleine zu lassen. Die Stadt Gießen profitiere schließlich in ganz erheblichem Maße wirtschaftlich von der großen Gruppe der Studenten.

„Nach unserer Recherche kommen in Gießen auf über 30.000 Studierende lediglich 2457 Wohnheimplätze, die vom Studentenwerk angeboten werden. Dabei handelt es sich Einzelzimmer, Einzel- und Doppelapartments sowie Familienwohnungen. Die Mieten bewegen sich, je nach Wohnform, für ein Apartment von 210 bis 240 Euro und ein Doppelapartment 195 bis 220 Euro pro Person. Die Familienwohnungen kosten 420 Euro inklusive aller Nebenkosten“, erläutert Kaisers. Nach Auskunft  des Studentenwerkes gebe es für die Wohnheimplätze zur Zeit eine Warteliste von 1300 Personen. Das zeige, wie groß die Nachfrage sei, weil es auf dem heimischen Wohnungsmarkt für Menschen mit geringem Budget viel zu wenig erschwinglichen Wohnraum gebe. Das Verhältnis der Wohnheimplätze zur Zahl der Studierenden liege in Gießen bei nur 7,8 Prozent, in Marburg bei 10 Prozent und bundesweit bei 11,64 Prozent. Hessen sei mit seiner Unterbringungsquote  in Wohnheimen (7,42 %), d.h. dem Verhältnis der Anzahl der Studenten zur Zahl der Wohnheimplätze im bundesweiten Vergleich das drittschlechteste Bundesland, obwohl es bei der Wirtschaftskraft zur Spitzengruppe gehöre. 

Um den Studenten mehr preisgünstiges Wohnen zu ermöglichen, habe das Studentenwerk Gießen, das auch für die Hochschulstandorte Fulda und Friedberg zuständig sei, in den vergangenen zwei Jahren zwei Wohnheime zusätzlich in die Vermietung genommen. Es handelt sich um das Wohnheim im Leihgesterner Weg 124-134 mit 124 Plätzen und in Fulda ( 91 Plätze). Erst ab dem Jahr 2013 sei der Bau eines weiteren Wohnheims mit 120 Plätzen in Gießen geplant.

„Die meisten Studenten sind deshalb auf die Suche auf dem freien Wohnungsmarkt angewiesen und sie nehmen dann oftmals jede Wohnung, egal wie schlecht und teuer die ist und schließen dann auch nachteilige Mietverträge, weil sie keine Wahl haben“, so Kaisers.

Der Mietervereinsvorsitzende beklagt, dass es zwischen dem Studentenwerk und der Wohnbau Gießen keine Vereinbarung bezüglich eines gemeinsamen Ausbaus von Wohnheimplätzen gebe. Dafür würde sich etwa ein Teil der Wohnungen in den ehemaligen US-Liegenschaften eignen, denn die seien preiswert und so groß, dass sie sich für studentische Wohngemeinschaften eignen. Allerdings sei dort die Infrastruktur noch immer unzureichend. Möglichkeiten zu fußläufigen Nahversorgung gebe es nicht, was auch viele Mieter dort beklagen.

Kaisers kritisiert auch das Land Hessen, das seine finanziellen Mittel für die Studentenwerke in den letzten Jahren sogar gekürzt habe und er verlangt eine kräftige Aufstockung. „Es reicht nichts aus, wenn Landesminister durch das Land reisen und davon reden, dass mehr Bildung unsere Zukunft sei,  zugleich aber tatenlos zusehen, wie sich die sozialen Rahmenbedingungen für die Studierenden verschlechtern. Nicht ohne Grund studieren immer weniger junge Menschen aus Familien mit geringeren Einkommen, weil sie sich das teure Studium nicht erlauben können.“