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17.11.09 - 09:38 Uhr

Hohe Stickstoffdioxid-Belastung in Gießener Luft


„Neben den unverändert hohen Feinstaubbelastungen wird Gießen ab dem kommenden Jahr bei einem weiteren Luftschadstoff, nämlich Stickstoffdioxid (NO2), Probleme bekommen\\\", sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers. „In diesem Jahr hat es bereits zahlreiche Überschreitungen des noch geltenden Grenzwertes von 42 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gegeben. Im Grunde wird er fortlaufend nicht eingehalten und das trotz der Existenz eines Luftreinhalteplanes für die Stadt !\\\"

Nach der novellierten Luftqualitätsrichtlinie der EU würden ab 2010 die bisher noch geltenden Toleranzmargen für die Grenzwerte bei Stickstoffdioxid (NO2) wegfallen. D.h., als 2002 die 1. Tochterrichtlinie in deutsches Recht übertragen wurde, habe zu dem Grenzwert von 40 µg/m3 noch eine Toleranzmarge von 16 µg/m3 gegolten, die zu dem Grenzwert hinzugezählt wurde. Erst wenn im Jahr 2002 mehr 56 µg/m3 Stickstoffdioxid gemessen wurde, habe der Grenzwert als überschritten gegolten. Jedes Jahr sei die Toleranzmarge um 2 µg/m3 gesenkt worden, bis sie im Jahr 2010 dann ganz wegfalle und der ursprünglich festgelegte Grenzwert von 40 µg/m3 in Kraft tritt. Zusätzlich komme 210 ein Stundenmittelwert von 200 µg/m3 hinzu, der zulässigerweise nur 18 mal im Jahr überschritten werden dürfe.

Stickstoffdioxid sei hochgiftig, werde aber wird in geringen Konzentrationen kaum wahrgenommen. Eingeatmetes Stickstoffdioxid löse Kopfschmerzen und Schwindel aus. Höhere Konzentrationen könnten Atemnot und Lungenödeme auslösen. „Bei längerer Einwirkung können höhere Konzentrationen der Stickstoffoxide zu chronischer Bronchitis oder auch zu einer Erhöhung der Empfindlichkeit gegenüber Atemwegsinfektionen führen\\\", heißt es in einer Stellungnahme des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie.

„Die chemische Verbindung entsteht bei der Verbrennung\\\", so Kaisers. „Hauptemittent ist der Verkehr, allerdings tragen auch die Gebäudeheizungen und Industriekraftwerke dazu bei. Am effektivsten kann NO2 in großen Kraftwerken begrenzt werden, da hier spezielle Entstickungsanlagen zur Rauchgasreinigung eingesetzt werden. Beim Verkehr ist das Problem größer, da nur eine chemische Umwandlung des NO2 in reinen Stickstoff das Problem derzeit lösen kann.\\\" 
Diese Technik sei ganz neu und erst bei sehr wenigen Fahrzeugen (z.B. Mercedes S-Klasse) bereits käuflich zu erwerben. Die EU habe erst mit der Euro 6-Norm entsprechend geringe Emissionsgrenzwerte für Stickoxide festgelegt, die allerdings erst ab 2014 für Neuwagen erfüllt werden müssten. 
„Den Verantwortlichen im Magistrat sollte die hohe Stickstoffbelastung in der Giessener Luft bekannt sein. Und mit der Inbetriebnahme der TREA-Verbrennungsanlage für Feststoffe durch die Stadtwerke Gießen ist die Luftqualität in der Stadt sicher nicht besser geworden. Auf Lösungsvorschläge muss man gespannt sein. Hoffentlich versucht man nicht auch bei diesem Luftschadstoff wie beim Feinstaub „auf Zeit zu spielen\\\" und „das Problem auszusitzen\\\", argwöhnt Kaisers.