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26.08.14 - 09:00 Uhr

Mieterverein bewertet Fünfjahresbilanz der Wohnbau-Genossenschaft

Schon damals sei bekannt gewesen, dass der Bedarf nach bezahlbaren, kleinen und mittelgroßen Wohnungen in Gießen besonders hoch ist. In 37,2 Prozent aller Haushalte lebt heute nur eine Person, 27 Prozent sind Zweipersonenhaushalte. Die ehemaligen US-Wohnungen haben jedoch durchweg eine Wohnflächengröße zwischen 90 und 130 qm. Statt die Quartiere nach einer geringfügigen Instandsetzung im alten Zuschnitt gleich an den Markt zu geben, hätte die Genossenschaft mit Hilfe der Stadt eine Modernisierung mit dem Ziel der Schaffung von mehr Wohneinheiten im Bestand betreiben müssen: Motto :aus einergroßen Wohnung mache zweikleinere !

Die strikte Begrenzung der Wohnflächengröße, z.B. für Bezieher von Arbeitslosengeld II ( 1 Person hat Anspruch auf maximal 45 qm, zwei Personen auf 60 qm), habe man schon 2009 gekannt und man wusste, dass gerade für diese Personengruppe die Wohnraumversorgung in Gießen sehr schwierig ist.

„Die Stadt Gießen hat damals aber weder Genossenschaftsanteile gekauft, noch der Genossenschaft mit einer Bürgschaft unter die Arme gegriffen, mit der man eine Anschubfinanzierung zum Umbau der Wohnungen hätte unterstützen können. Der schwarz-grüne Magistrat ließ damit die Chance verstreichen, aktiv zur Verbesserung der Wohnungsversorgung auf einem schon damals angespannten Markt beizutragen“, kritisiert der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers. Und er fügt hinzu:„ In anderen Kommunen Hessens gibt es solche direkten Beteiligungen an Wohnungsgenossenschaften schon lange, warum nicht in Gießen ?

Der Einwand, der kommunale Schutzschirm habe das finanzielle Engagement der Stadt für mehr Wohnungen verhindert, zieht nicht, denn den hat es mit seinen strikten Auflagen 2009 noch gar nicht gegeben.

„Ab 2011 übernahm dann der rot-grüne Magistrat die politische Verantwortung in der Stadt. Auch er hätte, statt nur Lippenbekenntnisse für das soziale Wohnen in Gießen abzugeben, mit wenig Geld die Genossenschaft unterstützen können, um mehr von den dringend erforderlichen kleineren Wohnungen zu schaffen. Doch man investierte lieber in die Landesgartenschau (2014: 3,2 Mio. Euro), etwa in den Beton zweier teurer überflüssiger Brücken, (- eine über den Schwanenteich, die andere über den neuen Teich –) , und in den von niemandem gewünschten Quellgarten. Eine Stadt sollte sich zur Priorität machen, in die Sicherstellung des Grundbedürfnisses Wohnen zu bezahlbaren Preisen zu investieren, anstatt in teure und überflüssige Bauprojekte wie die Zuschüttung der Fußgängerunterführung in der Ostanlage (500.000 Euro) oder den geplanten Dammstraßendurchstich (1,95 Mio. Euro). Eine sinnvolle Stadtentwicklung sieht anders aus, sie muss sich an den sozialen Bedürfnissen der Bürger orientieren,“ meint Kaisers.

Es sei dem Regierungspräsidenten Witteck beizupflichten, wenn er sagte, „die Genossenschaft sei ein geeignetes Modell, um Wohnraum zu gestalten. „Aber die Stadt hätte sich bei der Konversion der US-Militärsiedlung stärker finanziell engagieren müssen, damit der Wohnungsbestand in Gießen so verändert wird, dass er dem größten Bedarf besser Rechnung trägt“, heißt es in der Erklärung des Mietervereins.