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23.06.14 - 17:11 Uhr

Licht und Schatten bei der Modernisierung - Wohnbau Gießen saniert Häuser im Spitzweg-Ring aufwändig

„Auch die Instandsetzung der Wohnungen mit neuen Sanitäreinrichtungen, Türen und Bodenbelägen war dringend erforderlich gewesen. Im Haus Nr. 9 wurde ein Aufzug eingebaut, um behindertengerechte Wohnungen zu schaffen. Mit den vorgesetzten Balkonen erhöht sich der Wohnkomfort.“

Neben diesen Verbesserungen an der Immobilie gibt es für den Mietervereinsvorsitzenden aber auch Grund zur Beanstandung. So zum einen, dass sämtliche Mieter ihre Wohnungen verlassen mussten. Sie wurden „entmietet“ - mit all den Problemen, die damit verbunden sind. Zwischenumzüge bedeuten für die Mieter, vor allem ältere Menschen unter ihnen, eine besondere Belastung. Viele der ehemaligen Mieter kehren auch nicht mehr in ihr altes Quartier zurück.

Besonders kritisch betrachtet man beim Mieterverein die Miethöhe von jetzt über 8 Euro pro Quadratmeter. Bei der Wohnbau verweise man stolz auf die darin schon enthaltetenen Heizkosten. „Aber alle anderen Betriebskostenkommen ja noch hinzu, was die Gesamtmietkosten über 10 Euro /m² treibt. Das ist in Gießen eine Miete, die deutlich über dem Durchschnitt liegt und für viele Haushalte nicht mehr finanzierbar ist. Deshalb sind wohl auch noch 10 Wohnungen nicht vermietet, was angesichts der angespannten Versorgungssituation auffällig ist. Zudem müssten die Mieter die Modernisierungskosten weitestgehend alleine tragen und würden damit der Wohnbau die Investition finanzieren. „Mit gerechter Lastenverteilung zwischen Mieter und Vermieter hat das nichts zu tun. Das ist besonders bitter, weil die Wohnbau nicht primär dem Gewinn verpflichtet ist, sondern per Satzung dem Sozialwohl.“

Schaue man sich die mittlerweile fertig sanierten Häuser im Spitzweg-Ring von außen an, falle auf, dass die Fensterflächen des Gebäudes verkleinert wurden, da man die Fassade mit matratzendickem Dämmstoff aus Polystyrol verklebt habe. Die Fenster liegen deshalb wegen der dicken Laibungen nun weiter innen und es entsteht der sogenannte „Schießscharten-Effekt“ (vgl. Foto) . „In die Räume kann weniger Licht einfallen, was zur Folge hat, dass die Beleuchtung öfter eingeschaltet werden muss. Aber die Stromkosten dafür zahlt ja nicht die Wohnbau, sondern der Mieter. Energie wird auf jeden Fall so nicht gespart, obwohl die Wohnbau doch gerade eine energetische Maximalsanierung angestrebt hat“, meint der Vorsitzende des Gießener Mietervereins.

Als weiteren Kritikpunkt führt Kaisers an: „Die Wohnbau will bei ihrem Sanierungskonzept - sie hat das Gebäude imsog. „Passiv-Haus-Standard“ umgebaut - nicht zur Kenntnis nehmen, dass die dazu notwendige aufwändige Fassadendämmung fast nie eine akzeptable Zehn-Jahres-Amortisation erreicht. Das heißt, die Heizkostenersparnis ist mindestens so hoch wie die gestiegenen Kaltmietkosten.

„Auch die Hoffnung der Wohnbau, dass die Modernisierung nun für die nächsten 30 Jahre Ruhe schaffe, teilen wir nicht. Insbesondere bei der automatischen Innenbelüftung müsse man in viel kürzerer Zeit mit Nachinvestitionen rechnen. Solche Anlagen sind störanfällig und wartungsintensiv. Im Nachbarhaus wurde die Innenbelüftung schon kurz nach der Installierung wieder ausgetauscht“, so Kaisers.