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04.03.14 - 10:40 Uhr

Gießen Boomtown ? Anmerkungen zu den Neubauprojekten aus Mietersicht

Da es sich aber um frei finanzierte Neubauwohnungen handelt, werden die Mieten dort hochpreisig sein. Bauen ist teuer. Dazu tragen nicht zuletzt die strengen energetischen Auflagen und hohe Ausstattungsstandards bei.

Gebraucht werden in Gießen vor allem bezahlbare kleinere und mittelgroße Wohnungen, weil die Versingelung zunimmt. Flexible Grundrisse wären sinnvoll, um verschiedene Wohnformen zu ermöglichen. Zudem muss der demographische Wandel berücksichtigt werden. Alle neu zu errichtenden Wohnungen sollten deshalb altengerecht, d.h. barrierefrei, sein. Bislang entsprechen nur rund zwei Prozent aller Wohnungen in Deutschland dieser Anforderung. Wichtig ist auch, dass die neuen Wohnkomplexe gut in die städtische Infrastruktur eingebunden werden, also ob z.B. eine ausreichende Nahversorgungsmöglichkeit mit Lebensmitteln besteht und die öffentlichen Nahverkehrsmittel schnell zu erreichen sind.

„Von dem dringend erforderlichen Zuwachs an öffentlich geförderten Wohnungen mit gedeckelten Mietpreisen hört man vom Magistrat leider nichts. Dabei heißt es im rot-grünen Koalitionsvertrag von 2011: „Wir halten den bedarfsgerechten Neubau von öffentlich geförderten Wohnungen für notwendig“. Ein großer Teil der Bürger kann nämlich teure Neubaumieten gar nicht bezahlen. Der Mieterverein fragt deshalb :“Wo nutzt die Stadt die Planungsmöglichkeit der sog. „Konzeptvergabe“, mit der private Investoren dazu gebracht werden können, einen bestimmten Anteil der neu entstehenden Wohnungen nach den Regeln des sozialen Wohnungsbaus zu errichten ?“ und fügt hinzu: „Das Geld für die Landesgartenschau wäre besser in die Sicherung des Grundbedürfnisses „bezahlbares Wohnen“ in der Stadt investiert worden.“

Alle Neubauprojekte werden als verdichtete Bebauung entstehen. Das bedeutet, die Mieter leben nahe beieinander. Deshalb sind funktionierende Nachbarschaften besonders wichtig und der sozialen Durchmischung (alt/jung; Single/Familie,...) kommt eine große Bedeutung zu. Der Entstehung von Wohnghettos muss mit geeigneten Mitteln vorgebeugt werden. Darauf sollte angesichts einer schwierigen Sozialstruktur in Gießen ein großes Augenmerk liegen.

Nicht zuletzt müssen die Investoren für ein angenehmes Wohnumfeld mit viel Grün sorgen, denn mit den Neubauten werden weitere Stadtflächen zubetoniert und versiegelt. Ökologische Ausgleichsflächen sind nötig, zumal innerstädtische Grünbereiche zur Erholung und Luftverbesserung schon jetzt knapp sind.