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25.03.14 - 10:35 Uhr

Die ärmsten Verbraucher zahlen oft die höchsten Strompreise

So zahle ein Single-Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 1500 KWh von Januar 2014 an durchschnittlich 473 Euro im Jahr, monatlich also 39,42 Euro. „Damit sind die Leistungen für Hilfsbedürftige im Bereich Strom um mindestens 21 Prozent zu niedrig“, sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers. Der vom Staat vorgesehene Betrag sollte aber auch die Kosten abdecken, die bei kleineren Reparaturen in der Wohnung anfallen. Da die 32,69 Euro schon für den Strom zu knapp bemessen seien, sei erst recht kein Geld da, wenn ein Siphon zu erneuern ist oder ein Rolladengurt reißt.

Die steigenden Energiepreise belasten aber nicht nur Hartz-4 Bedarfsgemeinschaften, sondern alle Haushalte mit kleinen Einkommen, wie etwa Wohngeldempfänger, alte oder erwerbslose Menschen, die auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind. „Strom- und Heizkosten sind längst zu einem Armutsrisiko geworden,“ heißt es vom Mieterverein. Er beziffert die Unterdeckung im Bereich der Stromkosten bei Hartz-4 Empfängern auf 90-280 Euro jährlich, je nach Haushaltstyp. „Die Regelsätze wurden den rasant gestiegenen Stromkosten weder zeitnah noch realitätsgerecht angepasst. Genau das hatte das Bundesverfassungsgericht aber vom Gesetzgeber klar eingefordert“, betont der Mietervereinsvorsitzende. Die Strompreise haben sich im Bundesdurchschnitt seit 2005 um 44 Prozent erhöht, die Gaspreise „nur“ um 31 Prozent.

Beim Mieterbund spricht man sich deshalb seit längerem dafür aus, dass die Kommunen die Stromkosten (wie bei den Heizkosten) für die Hartz4-Empfänger übernehmen, sofern dem Anspruchsberechtigten kein konkret zu hoher Verbrauch wegen unwirtschaftlichen Verhaltens nachgewiesen wird. Stimme der Hartz-4-Empfänger zu, könnten die Stromkosten direkt an den Anbieter überwiesen werden. „Das hätte den Vorteil, dass die Kommunen selbst ein Interesse daran hätten, den günstigsten Anbieter auszuwählen“, so Kaisers.

Den günstigsten Stromanbieter zu finden, ist für die meisten Hilfsbedürftigen kaum möglich. Denn vor Abschluss des Vertrages prüfen die Stromanbieter die Bonität der Neukunden. Sie forschen nach, ob es schon Zahlungsprobleme gab, wie das Alter und wo der Wohnort ist ? „Vielen Hartz-4-Beziehern bleibt der Wechsel zu einem günstigeren Stromlieferanten versperrt. Ergebnis: Die ärmsten Verbraucher zahlen so oft die höchsten Energiepreise“, meint Kaisers.

Zahlungsrückstände bei der Stromrechnung führen schnell zu Stromsperren. Nach Mitteilung der Bundesnetzagentur betrug deren Zahl 2012 fast 323.000. Die durchschnittliche Höhe der Zahlungsrückstände betrug nur 114 Euro.