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28.05.14 - 12:42 Uhr

Magistrat schätzt Wohnungsmarktlage in Gießen falsch ein

„Wir sehen auf dem städtischen Wohnungsmarkt deutliche Signale für Versorgungsengpässe,“ sagt der Vereinsvorsitzende, Stefan Kaisers, und er verweist auf die jährliche Zunahme der Bevölkerung um 1200 Personen, während das Wohnungsangebot nicht im gleichen Umfang mitwachse. „Folge ist : deutliche Mietsteigerungen auf breiter Front. Das hat auch die Wohnungsmarktstudie für Mittelhessen 2013 des unabhängigen „Institutes Wohnen und Umwelt“ (IWU) in Darmstadt ergeben.“ Danach liege Gießen bei den Mietsteigerungen eindeutig an der Spitze. Hier müsse bei der Neuvermietung in neueren Baualtersklassen inzwischen durchschnittlich rund 8,20 Euro gezahlt werden. Die mittleren Angebotsmieten aller Zwei- bis Dreizimmerwohnungen seien allein vom Jahre 2010 bis 2012 um 1 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Ein weiteres Indiz für den Wohnungsmangel in der Stadt sehe das IWU im deutlichen Rückgang der Pro-Kopf-Wohnfläche.
„Besonders begehrt, aber schwer zu finden sind kleine und mittelgroße bezahlbare Quartiere. Wer eine solche Wohnung sucht, erlebt es immer wieder, dass man mit durchweg 30-40 Mitbewerbern konkurriert. Und die Warteliste der Menschen, die sich bei der Wohnbau um eine Sozialwohnung bemühen, enthält über 1200 Eintragungen.
Für den Geschäftsführer des einflussreichen Verbandes der südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW südwest), Dr. Ridinger ist klar, dass die Wohnungsmärkte in Gießen und Marburg mindestens fünf Jahre angespannt bleiben werden.
Kaisers: „Doch im Rathaus verschließt man die Augen vor dem Problem und vertraut auf die Selbstheilungskräfte des Marktes. Die verstärkte Neubautätigkeit werde das Problem schon lösen, so der Glaube des Magistrats. Doch diese Hoffnung ist falsch. Die Wohnungsnot werde sich in Gießen auch angesichts wachsender Studentenzahlen weiter verschärfen und immer mehr Menschen mit geringem Budget seien dazu gezwungen, in Umlandgemeinden zu ziehen.“ Selbst der „Verein Haus und Grund“ Gießen, die Vertretung der Wohnungseigentümer, meint, bei den Neubauten, meist Eigentumswohnungen, entstehe ein Marktsegment, das eindeutig nur den großen Geldbeutel bediene und zur Lösung der Problematik der Bereitstellung von Wohnungen mit sozialverträglichen Preisen nicht das Geringste beitrage. „Besser kann man das nicht formulieren. Der Mieterverein hatte schon darauf hingewiesen, dass der Magistrat nichts unternehme, damit auch neue bezahlbare Mietwohnungen (Sozialwohnungen) in Gießen entstehen. In Marburg hat der Oberbürgermeister die richtige Konsequenz gezogen und beim Land für seine Stadt die Mietpreisbremse beantragt. Auch Gießen muss sich dem schnellstens anschließen. Alles andere wäre verantwortungslos gegenüber den Mietern in der Stadt“, meint Kaisers.