„Nach eigenen Angaben in der „Stromkennzeichnung“ auf der Rückseite der Rechnungen stammen die Stromlieferungen der Stadtwerke Gießen (SWG) noch immer zu 35 % aus Atomstrom, zu 48 % von fossilen Energieträgern (Kohle, Braunkohle, Gas) und nur zu 17 % aus erneuerbarer Energie“, sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers. Und er kritisiert:“ Das ist völlig unbefriedigend !“

 

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Gießen, den 03.11.2009

Mieterverein verlangt von den Stadtwerken (SWG) eine konsequente ökologische Ausrichtung

Kaisers fordert von den Stadtwerken eine konsequente Ausrichtung der Unternehmensziele hin zur wirtschaftlichen und ökologischen Nachhaltigkeit :„Die Stadtwerke müssen endlich eine Umstellung auf Ökostrom betreiben, sodass bis 2015 mindestens 50 % des Stroms aus erneuerbaren Energien kommt", fordert Kaisers. Das sei durchaus realisierbar, wenn man nur wolle.

„Warum steigt der kommunale Versorger nicht wie andere Stadtwerke in Deutschland in das Groß-Windpark-Projekt in der Nordsee ein ? Warum engagieren sich die Stadtwerke nicht an einer der solarthermischen Anlagen in Spanien, etwa im Konzentrator-Photovoltaik-Kraftwerk Casaquemada ?" fragt der Mietervereinsvorsitzende.

 

  Anders als in Gießen würden zum Beispiel in München bereits heute 78% des Stroms in umweltschonenden, dezentralen Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) produziert, -  warum nicht auch in Gießen ? Der Wirkungsgrad solcher Anlagen, die Strom und Wärme produzieren, betrage mehr als 90 Prozent, während der Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken nur bei 40 Prozent liege, der von Kernkraftwerken sogar nur bei 35 Prozent. Eine verstärkte Eigenproduktion von Energie biete die Chance, sich aus dem Würgegriff des marktbeherrschenden Quartetts der Energieanbieter (EON; RWE, Vattenfall und ENBW) zu lösen und auch Netzkosten einzusparen. Aber offenbar sei es sehr bequem, die Preisdiktate der Großen an den Endverbraucher durchzureichen und bei steigenden Preisen auf die Vorlieferanten zu verweisen. Der Umstieg auf Ökostrom diene dem Klimaschutz und man könne sich zugleich aus der Abhängigkeit der Lieferstaaten für fossile Energien lösen.

 

   Kaisers kritisiert die Trägheit des Managements der Stadtwerke, das noch immer auf fossile Energieerzeugung setze und Atomstrom bevorzuge, der keine Zukunft mehr habe, auch wenn die neue Bundesregierung die überalterten Meiler weiterlaufen lassen wolle.

 

   „Die Stadtwerke haben doch den großen Vorteil, dass sie zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt sind und deshalb nicht vierteljährlich Rendite-Erfolgsmeldungen an private Investoren vorlegen müssen. Da müsste die Umstellung vom schwerfälligen Regionalmonopolisten zum kundenorientierten und ökologisch verträglich arbeitenden Dienstleister schneller und effektiver vorankommen", meint Kaisers. Und die Versorger-Branche sei von der Wirtschaftskrise bei weitem weniger betroffen als andere Wirtschaftsbereiche in Deutschland. Das zeige sich an den weiterhin steigenden Investitionen der Stromversorger.

 

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