Giessen, den 16.02.2004
Magistrat soll Konzept zur Umnutzung der US-Wohnungen darlegen
Allein in Giessen sind es 700 Wohnungen und ein Flächenareal von 300 Hektar, die zur Konversion (Umwandlung) anstehen werden. Das ist die Dimension eines Stadtteils und weitaus mehr als die Militärflächen, die vor Jahren bereits umgenutzt wurden. „Die Auswirkungen werden erheblich sein, auf die Stadt kommt hier eine Herkules-Aufgabe zu“, meint der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.
Aus Sicht der Mieterschaft wäre durch ein deutlich erweitertes Wohnungsangebot eine Entwicklung hin zu sinkenden Mieten im gesamten Stadtgebiet erfreulich und zu begrüßen. Der Zuzug einer größeren Zahl neuer Bürger brächte für Gießen auch eine Steigerung der Kaufkraft und könnte die wirtschaftlichen Folgen des Wegganges des US-Militärpersonals für die Stadt mildern. Allerdings darf die demografische Entwicklung hin zu einer immer älter werdenden und insgesamt schrumpfenden Bevölkerung nicht aus dem Blickfeld geraten, die eine Lösung nicht gerade leicht macht.
Bevor die Wohnungen am Markt erfolgreich angeboten werden können, sind vom Erwerber sicherlich nicht unbeträchtliche Investitionen erforderlich. Selbst wenn der bauliche Zustand der Behausungen gut ist, müsste etwa ihr Raumzuschnitt an die deutschen Wohnbedürfnisse angepasst werden. Auch der Charakter der Geschosswohnungsbauten aus den 60er Jahren ist zu verändern und das montone Aussehen der Militärsiedlungen muss durch eine geeignete Wohnumfeldgestaltung grundlegend verbessert werden, wenn man Mieter oder Eigentümer dafür finden will. Hier ist die Stadt besonders gefordert.
Es stellen sich also folgende Fragen :
- Wer soll als privater Träger und Investor für die Wohnungen gefunden werden ?
- Sollen die Wohnungen in den Bestand der Wohnbau Gießen übergehen ?
- Sollen alle Wohnungen privatisiert werden oder ein Teil davon als Sozial-
wohnungen ausgewiesen werden ?
- Wie kann verhindert werden, dass ein Investor sich die Rosinen herauspickt und
der Rest an der Kommune hängenbleibt ?
- Welche Maßnahmen zur Förderung der Infrastruktur in den ehemaligen Militär-
siedlungen sollen ergriffen werden ?
- Wie soll die Verkehrsanbindung der Siedlungen im ÖPNV verbessert werden ?
- Welche Überlegungen gibt es für die Gewerbeansiedlung auf den ehemaligen
Militärflächen, um Wohnen und Arbeiten wieder näher zusammen zu bringen ?
„Der Ideenwettbewerb um geeignete städtebauliche Konzeptionen sollte bald in Gang kommen, denn 2008 ist kein fernes Datum“, heißt es beim Mieterverein.
Druckversion