„Kaum ist der kalendarische Herbst angebrochen, beginnt die Lobby der Hersteller und Vertreiber von Holzfeuerungsanlagen (Kamin- und Kachelöfen) mit ihrer den Verbraucher irreführenden Werbung. „Heizen mit Holz sorgt für ausgeglichene Ökobilanz“ heißt es da in den Anzeigen oder „natürlich heizen schont die Umwelt“.

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Gießen, den 16.09.2009

Kritik an wachsender Zahl privater Holzfeuerungsanlagen

Verschwiegen werde, dass bei jeder Verbrennung von Feststoffen, sei es Kohle oder Holz in jeglicher Form, beachtliche Mengen an Feinstaub in die Umwelt geblasen werden. Feinstaub bestehe zu einem großen Teil aus winzigen Partikeln, den so genannten Nano-Teilchen. Über deren Gefährlichkeit für den Menschen sei sich die Wissenschaft längst einig, da solche winzigen Teilchen in der Größe von Molekülen unter einer bestimmten Größe von den Flimmerhärchen der Bronchien nicht mehr ins Freie befördert werden können, sondern in der Lunge deponiert werden. Ja selbst Zellwände könnten solche Teilchen problemlos passieren. Die Folgen seien fatal. „Der Zusammenhang der Luftbelastung mit Feinstaub und einem gesteigerten Schlaganfall- und  Herzinfarktrisiko ist nachgewiesen\", sagt Stefan Kaisers, der Vorsitzende des Mietervereins und er ergänzt :

\"Fachleute beziffern die feinstaubbedingten Todesfälle in Deutschland auf jährlich 75.000. Der durchschnittliche Verlust an Lebenserwartung für jeden Bürger beträgt 10 Monate.\" Nach Feststellungen des Hessischen Ministeriums für Umwelt mache der Anteil des Feinstaubes, der von privaten Gebäudeheizungen emittiert wird,  in einigen Gemeinden Mittelhessens , so in Lich, Biebertal oder Hungen, bereits heute mehr als ein Viertel der Gesamtfeinstaubbelastung aus - Tendenz steigend. „An nicht wenigen Tagen im Jahr kann man auch in vielen Teilen Gießens die notorisch stinkenden Staubquellen riechen\", so Kaisers.

 

Aber auch das Prahlen der Branche, vor allem der Holzpellet-Hersteller, ihr Produkt sei CO2-neutral , stelle sich bei genauerem Hinsehen als Schwindel heraus.

 

  Dafür gebe es mehrere Gründe. Für die Pellet-Herstellung seien früher nur nicht mehr verwertbare Holzabfälle verwendet worden. Angesichts der starken Nachfrage nutze man heute auch verstärkt Waldhölzer. Um selbst Baumstümpfe zu verwerten, würden die mit schweren Erntemaschinen aus dem Boden gerissen. Man nennt das „Stockrodung\". Dabei werde der Boden des Waldes so stark verdichtet, dass seine Wasserspeicherfähigkeit schwer geschädigt wird, mit negativen Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Bäume würden zunehmend vollständig verwertet, das heißt auch die mineralischen Kronen. Als Folge davon blute der Boden mineralisch aus und die nächsten Baumgenerationen werden geschädigt. Zwar werde beim Verbrennen eines Baumes nur so viel CO2  freigesetzt, wie er in seiner Entwicklung gebunden habe, aber das stimme nur für den einzelnen Baum. Wälder seien immer „CO2-Senken\" gewesen. Das bedeutet : Tote Bäume verrotten nicht vollends, sondern reichern den Boden mit Kohlenstoff an. So seien vor Millionen von Jahren die fossilen Energieträger (Kohle, Braunkohle) entstanden. Werde nun  Holz verbrannt, gehe der Speichereffekt verloren. „Werden Pellets dann noch bei der Herstellung in Blockheizkraftwerken getrocknet, die mit Palmöl aus brandgerodeten Regenwäldern in Borneo betrieben wurden, ist die Ökobilanz völlig aus dem Lot,\" so Kaisers. Und von dem Problem aller Holzverbrennungsanlagen, der Entsorgung der Asche, die giftige organische Verbindungen enthält, und deshalb nicht als Gartendünger dienen darf, werde leider auch nicht gesprochen.

 

  „So muss man leider das Fazit ziehen, dass die Holzverbrennung nicht ein Teil der Lösung, sondern ein Teil des Problems ist. Sie ist sicher zur Zeit noch kostengünstig, aber  jedenfalls nicht umweltfreundlich ! Nur eine Energiegewinnung aus nichtfossilen Quellen ist eine wirkliche Lösung\", meint Kaisers abschließend.

 

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