Giessen, den 04.09.2009
Viele Wohnungen aus den 50er und 60er Jahren sind in einem nicht mehr zeitgemäßen Zustand - in Fachkreisen spricht man da von „Substandard-Wohnungen.\" So seien viele Ausstattungsgegenstände in den Wohnungen von den Mietern selber eingebracht worden - etwa Fliesen, Waschbecken; Badewannen oder Fußbodenbeläge. Der Bauverein lasse seine Objekte herunterkommen, - von dringend gebotenen energetischen Sanierung sei gar keine Rede.
Die 350 von der Mieterhöhung betroffenen Mieter seien zurecht verärgert und enttäuscht darüber, dass es der Vorstand des Unternehmens ablehne, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. In einem Antwortschreiben an die Sprechergruppe der Mieter werde das Recht betont, „den Mieterhöhungsspielraum ausschöpfen\" zu wollen. „Das ist der Stil und die Sprache von „Heuschrecken\", die eine rein renditeorientierte Mietenverwaltung betreiben und denen die Sorgen und Nöte ihrer durchweg einkommensschwächeren Mieterhaushalte gleichgültig sind\", so Kaisers, und er fügt hinzu :\"Wenn dem Mieterhöhungsverlangen eine Zettel beigelegt ist, der darauf hinweist, dass sich die Mieter ja an ihre örtliche Sozialverwaltung wenden können, sofern sie die erhöhte Miete nicht mehr aufbringen können, kann man das nur als zynisch bezeichnen ! Wo bleibt die soziale Verantwortung der Führung des Bauvereins ?\" fragt der Mietervereinsvorsitzende. Die Bauverein AG betreibe eine Geschäftspolitik zu Lasten der öffentlichen Kassen. Schon das allein müsste eigentlich die Kommunalpolitiker in Gießen auf den Plan rufen.
Auch der Gießener Oberbürgermeister Haumann spiele nach Auffassung des Mietervereins in dem Trauerspiel keine Glanzrolle. Einem Vertreter der Sprechergruppe der betroffenen Mieter hatte er gesagt, dass er die Mieterhöhung für unangemessen halte. Zugleich habe Haumann aber die Einladung der Mieter abgelehnt, zu ihrer Versammlung zu kommen, weil er nicht „der richtige Ansprechpartner\" sei. Die Bauverein AG sei privatrechtlich organisiert und unterliege keiner öffentlich-rechtlichen Einflussnahme. Dass die Stadt Gießen unter Haumanns politischer Führung ihren Anteil an der Hegemag, der früheren Eigentümerin der jetzigen Bauverein-Liegenschaften in Gießen, verkauft hatte und sich damit selber jeglicher Einflussnahme beraubt hat, verschweige das Stadtoberhaupt geflissentlich. Man könne nur hoffen, dass das unrühmliche Vorgehen des Bauvereins nicht auch bei der Wohnbau Gießen Schule mache.
Der Mieterverein fordert die Gießener Politiker, vor allem die von SPD und Grünen, auf, sich bei ihren Parteifreunden im Vorstand der Bauverein AG in Darmstadt dafür einzusetzen, dass man endlich das Gespräch mit den Mietern in Gießen sucht und ein Weg gefunden wird, zu einer sozial verträglichen Lösung zu kommen .