Wie die Menschen in Zukunft wohnen wollen, haben zwei Institute („Inwis-Institut“ und „Beratungsgesellschaft Analyse und Konzepte“) im vergangenen Jahr mit einer Studie „Wohntrends 2020“ genauer untersucht. Darüber berichtet jetzt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.
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Gießen, den 10.08.2009
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es eine einheitliche Antwort nicht gebe. Im Gegenteil: Die Bedürfnisse der Menschen an ihr Wohnumfeld würden immer differenzierter. Eines sei aber sicher, die Zeit der Standard-Wohnungen ist vorüber.
„Für Vermieter und Verkäufer wird es von wachsender Bedeutung sein, herauszufinden, was die Menschen möchten\\\", sagt Stefan Kaisers. „In Zukunft werden sich immer mehr Menschen erlauben können, bei der Wohnungssuche wählerisch zu sein. Vor allem zwei Faktoren sorgen dafür, dass viele Regionen mit Leerständen zu kämpfen haben: die Wanderungsbewegungen vom Land in die Städte sowie die demografische Entwicklung\\\".
Die Zahl der Haushalte werde zunächst noch steigen und damit der Wohnungsbedarf, aber die Bevölkerung werde zugleich immer älter. Die Gruppe der über 65-Jährigen werde bis 2030 laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes um 40 % zunehmen. „Zu den wichtigsten Wohntrends gehören daher die Bedürfnisse der Älteren: barrierefreie Wohnungen, Sicherheit und Service-Leistungen im Gesundheitsbereich\\\", so Kaisers.
Einen steilen Aufstieg in der Wunschliste von Mietern und Käufern von Wohnungen habe in den vergangenen Jahren das Thema Energie geschafft. Laut der Wohntrend-Studie sei diese Veränderung keine kurzfristige Erscheinung, sondern nachhaltig. Ob ökologisch oder ökonomisch motiviert: Vor allem die Heizkosten würden zumindest in schrumpfenden Märkten zu einem wesentlichen Entscheidungskriterium. Erneuerbare Energien, moderne Wärmedämmungen, die Verwendung ökologischer Baustoffe oder die Nutzung von Regenwasser würden heute bei rund 70 % der Haushalte zu den wichtigen Anforderungen gehören.
Eine größere Bedeutung werde in Zukunft auch die technische Ausstattung von Wohnungen haben. „Etwa 80 % der unter 30-Jährigen wünschen sich heute den schnellen Internet-Anschluss\\\", so Kaisers. Welche Technik sonst noch in Zukunft in den Wohnungen einziehen wird, lasse sich aber nur schwer vorhersagen. „Vermieter müssen sich daran orientieren, was die Menschen wollen und nicht daran, was technisch möglich ist\\\", sagt Kaisers. Hohe Akzeptanzraten gebe es vor allem bei technischen Lösungen, die mehr Komfort ermöglichen und Geld sparen. Dazu gehöre z. B. eine elektronische Heizungs- und Lichtsteuerung.
Sicherer als in der Vorhersage technischer Entwicklungen seien sich die Experten in der Einschätzung anderer Bedürfnisse. Die Individualisierung von Lebensstilen werde sich laut der Studie immer mehr auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar machen. Danach verwische die klassische Einteilung in Küche, Wohn- und Schlafzimmer.
Deutlich würden die Veränderungen im Bad: Hier reicht das Bedürfnisspektrum vom schlichten Waschraum bis hin zur Wellness-Oase. Um die zukünftigen Anforderungen besser systematisieren zu können, hätten die Verfasser der Wohntrend-Studie die Haushalte in sechs „Schubladen\\\" gepackt. Die Wohnkonzepte reichen von einfach-funktionalen oder konventionell-situierten bis hin zu den aufstrebenden „kommunikativ-dynamischen\\\" oder anspruchsvollen Haushalten. Die größte, aber schrumpfende Gruppe bildet das „solide-bescheidene Wohnkonzept\\\", also Haushalte, die eher älter sind und nicht über viel Geld verfügen.
In welchem Maß Vermieter jedoch in Zukunft auf die Wünsche potenzieller Bewohner eingehen, hänge von den Märkten ab. Wo die Bevölkerung schrumpft, sei meist auch die Kaufkraft niedrig. Kaisers abschließend : „Die Vermieter müssen ihre Wohnungen zwar einerseits konkurrenzfähig halten, müssen aber gleichzeitig besonders auf die Kosten achten. In den wachsenden Städten vermieten sich viele Wohnungen fast von allein. Der Vorteil: Wegen der hohen Kaufkraft gibt es hier laut der Studie viel Raum für Experimente.\\\"