Die Deutschen ziehen so häufig wie selten zuvor um. Etwa 12,7 % aller Haushalte haben laut dem Energiedienstleister Techem 2007 ihren Wohnsitz geändert. Wie das Statistische Bundesamt ermittelt, wechseln etwa 5 Mio. Menschen im Jahr ihre Gemeinde, ihr Bundesland oder ziehen ins Ausland. 

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Gießen, den 05.05.2009

Immer mehr Menschen wollen in der Stadt leben

 

Diese Wanderungen sind vor allem das Ergebnis der unterschiedlichen Qualität der Lebensräume.

 

  Die meisten Menschen ziehen dorthin, wo es Arbeit, bezahlbaren Wohnraum und eine breite Infrastruktur gibt. Vor allem die Städte und ihr jeweiliges Umland konkurrieren um neue Einwohner. „In einer Zeit, in der es - auch langfristig betrachtet - in Deutschland keinen Geburtenüberschuss mehr gibt, sind Wanderungen die einzige Quelle für ein Bevölkerungswachstum von Städten und Regionen\", sagt Stefan Kaisers, Vorsitzender des Mietervereins. Wer zu den Gewinnern und wer zu den Verlierern zählt, hänge in hohem Maße davon ab, welche Orte genügend Anziehungskraft dank einer florierenden Wirtschaft entwickeln. Kern solch starker Regionen seien die großen Zentren. Fachleute definieren hierzulande etwa zehn solcher Metropolregionen. Dazu zählen u. a. die Rhein-Main- oder die Rhein-Ruhr-Region aber auch die Großräume München und Hamburg.

 

  Viele Menschen ziehen jedoch nicht in die Städte selbst, sondern in das jeweilige Umland. „Ob in diesen Regionen die Städte zu den eigentlichen Gewinnern zählen oder ob das Umland stärker profitiert, wird vor allem durch das Angebot auf dem Wohnungsmarkt entschieden\", meint Kaisers. Eine nachhaltige, nachfragegerechte und quantitative Ausdehnung des Wohnungsangebotes gelinge bisher nur wenigen Städten. Gießen sei da mit der Umnutzung der rund 600 US-Wohnungen auf dem richtigen Weg.

 

  Ein wichtiger Faktor für Zuzügler sind die verfügbaren Wohnungsgrößen. Seit Jahrzehnten wollen die Deutschen auf immer mehr Quadratmetern pro Kopf leben. Die meisten Stadtwohnungen werden diesem Bedürfnis aber nicht gerecht - mit den geräumigen Einfamilienhäusern im Umland kann das städtische Angebot nicht mithalten.

 

  Wenn eine Stadt es nicht schaffe, auch ausreichend größere Wohnungen anzubieten, müsse sie sich für bestimmte Zielgruppen interessanter machen, meint Kaisers. Familien mit Kindern wohnen z. B. im Schnitt auf 28 m² Wohnfläche pro Kopf, Paare auf 38 m². Ein-Personen-Haushalte leben im Schnitt auf 54 m². Ein bestimmtes Wohnflächenangebot reicht also bei einer reinen Belegung mit Familien für doppelt so viel Menschen wie für Singles oder Paare.

   Wichtige Faktoren für eine Stadt seien die gezielte Aufwertung und Durchmischung der Quartiere mit Freiflächen sowie eine hohe Qualität der städtischen Infrastruktur, z. B. der Kinderbetreuung. Hier, und auch in anderen Bereichen, gebe es in Gießen aber noch Bedarf an Verbesserungen.

  Kaisers erklärt: „Insbesondere junge Familien mit Kindern und Haushalte in der Familiengründungsphase gehörten lange Zeit zu denen, die im Grünen ein Eigenheim erwarben oder bauten. Gründe dafür waren die hohen Preise in der Stadt, die Familien zum Umzug bewegten. Aber auch Defizite im Wohn-Umfeld sowie Umweltbelastungen, wie Lärm oder Abgase führten dazu, dass Menschen ihre Wohnwünsche nicht in der Stadt, sondern im Umland verwirklichen. Wegen der hohen Preise ist inzwischen das Wohnen im eigenen Haus für immer mehr Menschen fast unbezahlbar geworden.\" Insbesondere die Erhöhung der Mobilitätskosten sowie die Alterung der Bevölkerung würden dazu führen, dass vor allem mehr Menschen wieder in der Stadt leben wollen. 

 

   „Gießen als Mittelzentrum darf sich nicht auf den Trend „Zurück in die Stadt\" verlassen und die Arme untätig in den Schoß legen. Gebraucht werden einerseits größere Wohnungen für Familien oder studentische Wohngemeinschaften und andererseits kleinere und preisgünstige Quartiere für Einzelpersonen,\" so der Mietervereinsvorsitzende.

 

 

 

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