Die Mieter in Gießen müssen im Durchschnitt weit mehr als ein Drittel ihres Haushaltsnettoeinkommens für Miete und Betriebskosten aufwenden. Darauf weist jetzt der Mieterverein unter Bezugnahme auf eine Studie des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) in Berlin hin.
" />Gießen, den 28.01.2009
Besonders hoch sei der Anteil für die Wohnungsausgaben in den Städten mit vielen Geringverdienern. Dazu zählen Empfänger von staatlichen Leistungen, etwa Hartz-IV oder Arbeitslosengeld, Grundsicherung und anderen Transferleistungen , aber auch Studenten. So müssten Bewohner von Gießen im Durchschnitt für eine 75 qm große Wohnung mit mittlerem Wohnwert etwa 39,02 Prozent des Einkommens ausgeben. Die Untersuchung des IVD gehe von einem Haushaltsnettoeinkommen in Gießen von 1576,- Euro aus und die durchschnittliche Nettokaltmiete für eine 75qm Wohnung betrage 450,-Euro. Hinzu komme eine Nebenkostenbelastung von 165,- Euro. Kaisers: „Bei einer Befragung von 300 Vereinsmitgliedern haben wir ähnliche Zahlen festgestellt.“
Von allen untersuchten Städten weise Freiburg die relativ höchste Mietbelastung mit einem Wert von 43,8 Prozent auf. Denn Freiburg sei eine Studentenstadt und das drücke das durchschnittlich verfügbare Einkommen unter 1700 Euro. Den höchsten Wert in Hessen habe Frankfurt mit 41,5 Prozent, dicht gefolgt von Marburg mit 40,38 Prozent. “Gießen liegt mit seiner Mietbelastung in der Spitzengruppe der untersuchten 100 deutschen Städte“, sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.
Die Belastungen der Mieterhaushalte hätten ihr Ursache darin, dass zum einen die Reallöhne seit Jahren nicht gestiegen sind und zum anderen, dass die Wohnnebenkosten im letzten Jahr deutlich stärker gewachsen sind als die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Mit 7,6 Prozent im Jahre 2008 habe der Anstieg deutlich höher gelegen als im Vorjahr 2007 mit 2,7 Prozent und auch weit über der Inflationsrate, die ebenfalls bei 2,7 Prozent lag. Die Nettomieten, also ohne Nebenkosten, seien dagegen auch 2008 nur wenig gestiegen. Mit 1,3 Prozent hätten sie nur geringfügig höher als 2007 (1,1 Prozent) und 2006 (1,0 Prozent) gelegen.
„Die Preistreiber bei der sogenannten „zweiten Miete“ bleiben mit deutlichem Abstand die flüssigen Brennstoffe , also Öl und Gas“, so Kaisers. Heizöl habe sich im Jahre 2008 im Jahresdurchschnitt um 32,4 Prozent verteuert und die Preise für Gas seien um 9,0 Prozent gestiegen, wobei zu berücksichtigt werden müsse, dass die Preise für Gas denen für Heizöl mit einer Zeitverzögerung von etwa 6 Monaten folgen. Bei der Verteuerung sei auch zu beachten, dass sich die Preise für beide Brennstoffarten schon auf sehr hohem Niveau befinden. Sie seien insbesondere 2005 und 2006 mit jeweils zweistelligen Raten gestiegen. „Die Mieter und Eigentümer müssen sich auf deutliche Nachzahlungen für 2008 einstellen“, warnt der Mietervereinsvorsitzende.
Einen kräftigen Preisschub habe es auch beim Strom gegeben (+ 6,9 Prozent). In Gießen seien zusätzlich noch die Gebühren für die Müllabfuhr erhöht worden.
Insgesamt seien die Wohnnebenkosten im Fünfjahresvergleich – von 2003 bis 2008 - um 32,5 Prozent und damit dreimal so stark wie die allgemeinen Lebenshaltungskosten (+ 10,1 Prozent) gestiegen. Relativ am Ende der Preisskala hätten die Nettomieten mit einem Anstieg von 5,3 Prozent gelegen.