Gießen, den 29.12.2008
Der Verein rät allen Stromkunden, entweder den Anbieter zu wechseln oder die Preiserhöhung nicht zu bezahlen. „Während die Aktionäre der großen Stromerzeuger, die mehr als 80 Prozent des deutschen Stroms erzeugen, die Erzeugerpreise fortgesetzt und in immer kürzeren Zeitabständen nach oben manipulieren und damit satte Gewinne einstreichen, wird die Öffentlichkeit mit dem Märchen der gestiegenen Kosten verdummt,“ sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers. Die SWG seien Teil des Energiekartells, sie würden an der Preisentwicklung kräftig mitverdienen, wie man an der Bilanz des stadteigenen Unternehmens erkennen könne. Als Ausrede werde dann vom Vorstand, wie auch jetzt wieder, auf die gestiegenen Bezugspreise der Vorlieferanten verwiesen. Das aber könne niemand nachprüfen, da die Stadtwerken ihre Kalkulation nicht offen legen.
„Wer die Stromkunden bis zum Letzten auspresst und dann damit prahlt, man wolle im Jahre 2009 nicht noch weiter an der Preisschraube drehen, wie das Herr Siekmann vom Vorstand der SWG getan hat, der muss sich den Vorwurf des Zynismus gefallen lassen“, so Kaisers.
Bezeichnend für die „kundenfreundliche“ Praxis der Stadtwerke sei auch die Neufassung der „ergänzenden Bedingungen“, d.h. die allgemeinen Geschäftsbedingungen. Frei nach dem Motto “ist der Ruf erst ramponiert, lebt sich völlig ungeniert“ werde nun säumigen Zahlern, häufig Menschen in schwieriger sozialer und finanzieller Lage, die Pistole auf die Brust gesetzt. Schon die erste Mahnung wird künftig mit 3 Euro Mahngebühr versehen. „Angesichts eines solchen Vorgehens ist es mehr als ärgerlich, wenn der Eigentümer der Stadtwerke, die Stadt Gießen (d.h. alle Bürger !), mit seinen Vertretern im Aufsichtsrat des Unternehmens in einer reinen Zuschauerrolle verharrt und sich bewusst jeglichen Einflusses auf die Unternehmenspolitik enthält, - Hauptsache, die Stadtwerke spülen einen dicken Gewinn in die Stadtkasse,“ kritisiert Kaisers.
Wie kann man sich aktuell gegen das Preisdiktat der Versorger zur Wehr setzen?
Dazu hat man drei Möglichkeiten: Man kann zum einen den Anbieter wechseln. Das geht beim Strom inzwischen recht problemlos. (Internetportal: vervivox) Zum zweiten kann man gegen die Preiserhöhung schriftlich Widerspruch einlegen und die geforderten Entgelte um den Erhöhungsbetrag kürzen. Der Bundesgerichtshof hat in zwei jüngeren Urteilen das Recht auf eine gerichtliche Billigkeitsprüfung noch einmal ausdrücklich bestätigt. (Musterschreiben im Internet bei der Verbraucherzentrale und beim Bund der Energieverbraucher) Und drittens sollte man jede Möglichkeit nutzen, Energie einzusparen. Auch so lassen sich die Kosten merklich senken.