Gießen, den 06.01.2006
Mieterverein begrüßt Erweiterung der Informationen auf den Stromrechnungen
„Die SWG machen das aber nicht freiwillig, sondern nur, weil das Energiewirtschaftgesetz sie dazu zwingt. Warum nicht schon früher?“, fragt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.
Gut zu erfahren sei, dass der Strommix, also die Art, wie der Strom erzeugt wurde, der in das Gießener Netz eingespeist wird, positiv vom Bundesdurchschnitt abweicht. Es sei ökologisch positiv, wenn überdurchschnittlich viel Energie aus erneuerbaren Energieträgern (Wasser, Sonne, Wind ) hergestellt werde. Ein „weiter so“ gelte auch für den Betrieb und Ausbau der sogenannten „Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen“ in Gießen. Sie würden nicht 60 Prozent der Primärenergie in die Atmosphäre blasen wie die meisten Großkraftwerke. Das sei für das Erdklima von Vorteil.
Es ist also alles in Butter, könnte man meinen. Das ist es leider nicht !
Die Stromrechnung der SWG enthalte neben dem „Arbeitspreis pro Kilowattstunde“, also dem effektiven Stromverbrauch des Kunden, auch die nebulösen Begriffe „Verrechnungspreis“ und „Leistungspreis“. Was letztere beinhalten, werde auf den Rechnungen nicht erklärt. “Welcher Kunde weß schon, dass er als Extraentgelt den „Verrechnungspreis“ zahlen muss, damit die Stadtwerke den Strom für ihn überhaupt bereitstellen“, sagt der Mietervereinsvorsitzende.
Im „Leistungspreis“ schlügen sich die Kosten für den Zähler und die Rechnungslegung nieder. Das sei so, als wenn beim Bäcker neben dem Brotpreis auch noch Extrazahlungen für das Angebot der Backwaren im Verkaufsraum und für den Kassenzettel erhoben würden. Mit Preisklarheit und Preiswahrheit habe das wenig zu tun. Mit einem fixen Grundpreis neben den Verbrauchskosten wäre die Sache übersichtlicher.
Kaisers erinnerte an die Aussage des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt, der einmal verlangt habe, dass jeder Bürger ein Recht darauf habe, seine Stromrechnung verstehen zu können, ohne ein Studium der Ökonomie absolviert zu haben.
Ein anderes, viel gravierenderes Problem sei, dass die Strompreise seit Jahren überzogen sind. „Darüber gibt die Rechnung der Stadtwerke natürlich keine Auskunft“, so Kaisers. Ein wesentlicher Grund dafür liege darin, dass die Strombranche eine Art Selbstbedienungsladen aufgebaut habe. Die gro゚en Energiekonzerne hätten ein raffiniertes System von Tochterunternehmen (für Erzeugung, Verteilung und Vertrieb) aufgebaut, in dem sie sich wechselseitig überhöhte Netzgebühren in Rechnung stellten, die dann dem Endverbraucher aufgelastet würden. Aber das sei ein weites Feld und der Platz auf der Rechnung reiche bei weitem nicht aus, um die komplexen Zusammenhänge der zu hohen Energiekosten zu verdeutlichen.
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