Giessen, den 30.05.2007
Mieterverein kritisiert Entwurf zum Luftreinhalteplan als „halbherzig“
Zwar wird als Hauptverursacher der Schadstoffe, vor allem Stickoxide und Feinstaub, der Straßenverkehr genannt, aber die zunehmende Verbrennung von Festbrennstoffen (Holz, Kohle) in immer mehr Haushalten trägt ganz erheblich zur Verschlechterung der Luftqualität bei. Nach einer Untersuchung des Umweltbundesamtes (UBA) haben die Emissionen aus kleinen Holzfeuerungsanlagen bereits eine Anteil von 50 Prozent an der Luftbelastung mit dem gefährlichen Feinstaub. In der Fachwelt ist längst bekannt und unumstritten, dass insbesondere die Nanopartikel des Feinstaubes krank machen und zu einer erhöhten Sterblichkeit führen.
Ob die im Luftreinhalteplan vorgesehenen Maßnahmen ausreichen werden, um schnell und wirksam zu einer Verringerung der Schadstoffkonzentration in der Luft zu kommen, muss man bezweifeln. Sie sind bestenfalls Trippelschrittchen in die richtige Richtung. Der motorisierte Individualverkehr in der Stadt wird damit kaum eingeschränkt werden können. Ohne verkehrslenkende Maßnahmen, die Errichtung von Umweltzonen mit Fahrverboten für „Stinker“, wird sich nicht viel ändern. Hinzukommen müssen verschärfte Abgaswerte für den Betrieb der vielen in Mode gekommenen privaten Holzfeuerungsanlagen, die zur Zeit noch völlig ungefiltert ihre Rauchgase in die Umwelt blasen können. Fachleute raten zum Verzicht auf Holzöfen, offene Kamine oder Kachelöfen ohne Filteranlagen. Wer die Biomassenutzung so intensiv propagiert wie die hessische Landesregierung, der darf die Augen nicht davor verschließen, dass die forcierte Holzverbrennung das Ziel einer Verbesserung der Luftqualität konterkariert.
Wenn in dem Entwurf des Luftreinhalteplanes das ausgedehnte Fernwärmenetz in der Stadt gelobt wird, ist dem beizupflichten, weil in Großfeuerungsanlagen zur Zeit Schadstoffe besser eliminiert werden können als in zahlreichen kleinen Verbrennungsöfen. Aber die öffentliche Diskussion um die bestmögliche Filtertechnik in der von den Stadtwerken (SWG) geplanten Müllverbrennungsanlage TREA im Leihgesterner Weg zeigt, dass die Verantwortlichen wieder einmal dabei sind, ökonomische Interessen den Umweltbelangen voranzustellen. Warum sonst wehren sich die Stadtwerke dagegen, eine verbesserte Filtertechnik in ihre Anlage einzubauen, um die Luft in Gießen nicht weiter zu belasten ?
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