Gießen, den 30.04.2007
Haus- und Grundeigentümer malen für Gießen ein wohnungswirtschaftliches Schreckbild
Zum einem würde der „Rückbau“ die Vernichtung erheblichen volkswirtschaftlichen Vermögens bedeuten, denn die Gebäude seien durchweg in einem guten Zustand und sie wurden seinerzeit aus allgemeinen Steuermitteln finanziert. Zum anderen treibe die organisierten Vermieter die unbegründete Angst vor Wohnungsleerständen und dem Verfall der Immobilienpreise in der Stadt. Mit den US-Wohnungen erführe der Wohnungsbestand der Stadt einen Zuwachs von lediglich 1,5 Prozent, was die Dimensionen klar mache.
Kaisers begründet seine Kritik so : „Die demografischen Prognosedaten für Gießen sagen allesamt keinen Bevölkerungsrückgang voraus, sondern auf längere Sicht eine Stabilisierung der Einwohnerzahlen. Die für die Wohnungsnachfrage entscheidende Zahl der Haushalte wird aber noch steigen. Auch hat sich der Trend zum Verlassen der Stadt in Richtung Umland längst umgekehrt. Immer mehr Menschen zieht es zurück in die Städte, weil sie dort eine bessere Infrastruktur vorfinden und vor allem moderne Beschäftigungsmöglichkeiten finden. Allein die größer werdende Zahl von weit über 2000 Bürgerinnen und Bürgern, die in Gießen eine Sozialwohnung suchen, belegt, dass die Leerstandsbehauptung unzutreffend ist.“
Leer stehen würden Wohnungen in Zukunft allerdings dann, wenn sie keinem zeitgemäßen Standard entsprächen oder zu teuer seien, weil notwendige Investitionen vor allem in energetische Verbesserungen versäumt worden seien. Hier müssten sich die Hauseigentümer intensiv um Investitionen kümmern.
„Die Einführung des Energiepasses als Anreiz-Instrument zur einer substantiellen Verbesserung der Energiebilanz im Wohnungsbestand, in dem es noch ein gewaltiges Einsparpotential gibt, kommt deshalb nicht zu kurzfristig, wie die Vertreter von Haus und Grund klagen, sondern leider viel zu spät.“ Offenbar sei die aktuelle öffentliche Diskussion über die dringend notwendigen Maßnahmen zur Verhinderung der Klimakatastrophe an den Hauseigentümern vorbeigegangen. Zu alledem habe es die Eigentümerlobby auch geschafft, den Energiepass so weit zu verwässern, dass seine Wirkungen in der Zukunft eher marginal bleiben würden.
Vom Magistrat fordert der Mieterverein, alles dafür zu tun, dass die US-Wohnungen erhalten bleiben und vor allem nicht in die Hände einer der großen ausländischen Immobilienkapitalgesellschaften übergehen. Solche Investoren, auch als „Heuschrecken“ bekannt, hätten kein Interesse am langfristigen Erhalt und der Sicherung des Wohnungsbestandes zu angemessenen Preisen. Noch weniger seien sie an der gedeihlichen Stadtentwicklung und Stadtgestaltung interessiert.
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