Gießen, den 20.06.2006
Heizkostenrechnung nachhaltig senken! Chancen des Energieausweises nutzen!
„Bevor eine falsche Entscheidung fällt, muss die Diskussion um den richtigen Energiepass wieder versachlicht und auf tragfähige Argumente gestützt werden“, forderte Kaisers.
„Der Widerstand des Umweltministeriums gegen die Vorstellungen des Bau- und Wirtschaftsministeriums zum zukünftigen Energiepass für Gebäude ist die einzig richtige Reaktion auf einen drohenden faulen Kompromiss, der Mieter und Hauskäufer im Regen stehen lässt, weil die Wohnungswirtschaft Klarheit fürchtet“, sagte der Chef des Mietervereins.
Der zwischen den Bundesministern Tiefensee und Glos gefundene Kompromiss sei keine tragfähige Lösung. Er öffne der Beliebigkeit Tür und Tor, da der Energiepass ohne jede qualitative Vorgabe nach Verbrauch oder Bedarf ermittelt werden könne.
Wenn der Energiepass sich zum Beispiel in einem Drei-Familien-Haus am Verbrauch orientiert, ist die Aussage gänzlich wertlos, denn die Ergebnisse hängen wesentlich von dem Verhalten der Nutzer des Objektes ab.
Nur ein am Bedarf orientierter Energieausweis kann die Ansprüche und Erwartungen erfüllen, die an dieses neue Instrument zu stellen sind: Transparenz zu schaffen, eine ehrliche Darstellung des energetischen Zustandes des Gebäudes, gute Energiequalität am Markt zu belohnen, Hinweise auf sinnvolle Modernisierungen und Verbesserungen mit einer bundeseinheitliche Ausgestaltung für Neu- und Altbau zu geben.
„Wir sind auf dem besten Wege, die Chancen des Energiepasses mutwillig zu verspielen“, sagte Kaisers. Die Chancen bestehen darin, den Wohnungsbestand energetisch zu verbessern, damit Arbeitsplätze zu schaffen und Klimaschutz aktiv zu betreiben.
Die von den Ministern Tiefensee und Glos verabredete „Beliebigkeitslösung“ ist aus Sicht des Mietervereins sachlich nicht vertretbar und ein Kniefall gegenüber den Interessen der Teile der anbietenden Wohnungswirtschaft, die wegen unzureichender energetischer Sanierungsinvestitionen in ihren Gebäudebestand klare Angaben über den Energiebedarf fürchten müssen.
Vor allem das Argument, Bedarfspässe seien unvertretbar teuer, ist schlichtweg falsch. Ein Bedarfspass lasse sich für einen Preis von 100 bis 150 Euro in einem vereinfachten Verfahren erstellen, das inzwischen von Fachleuten entwickelt worden ist. Der Pass müsse nur beim Vermieten oder Verkaufen einer Wohnung – bezogen auf die Immobilie insgesamt – ausgestellt werden und habe eine Gültigkeitsdauer von 10 Jahren. Ein solcher Geldeinsatz sei angesichts der positiven Wirkungen qualitativer Energieausweise alles andere als unzumutbar. Diesen Mehrkosten steht ein Vielfaches an Einsparung bei den Nutzern aufgrund der niedrigeren Heizkosten gut sanierter Wohngebäude gegenüber.
Der Mieterverein fordert deshalb die Bundesregierung nachdrücklich auf, im Interesse der Senkung der Wohnnebenkosten und der Energieeinsparung, der Schaffung neuer Arbeitsplätze und der Markttransparenz dem "Beliebigkeitsausweis" einen Riegel vorzuschieben und die Ausstellung von Energieausweisen für Gebäude am Energiebedarf zu orientieren.
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