Gießen, den 20.01.2006
Mieterverein fordert vom Magistrat einen Luftreinhalteplan
Seit Anfang des Jahres steht in der Westanlage endlich wieder eine Messstation für die Erfassung der Feinstaubbelastung in der Stadt. Die Anlage stand zuvor am Ostwaldsgarten und musste dort dem Bau der Galerie weichen.
„Nun zeigen die Messwerte in den ersten Tagen des Jahres, was für viele Fachleute nicht überraschend ist. Die Feinstaubbelastung in Gießen ist hoch – zu hoch“, heißt es in einer Erklärung des Mietervereins. Der nach der EU – Richtlinie maximal zulässige Wert von 50 Mikrogramm Feinstaubpartikel pro Kubikmeter Luft sei bereits mehrfach überschritten worden. Die Luftbelastung mit Staub sei in Gießen nach Frankfurt und Kassel mit die höchste in ganz Hessen. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, denn das Problem wachse. Umweltexperten schätzten, dass bundesweit rund 75.000 Tote jährlich auf die Belastung mit Feinstaub zurückzuführen sind und jeder Bundesbürger dadurch einen durchschnittlichen Verlust seiner Lebenserwartung von etwa 10 Monaten erleidet.
Neben dem Straßenverkehr seien die Emissionen aus den Heizungsanlagen der privaten Haushalt ursächlich für die Luftverschmutzung . „Der Magistrat muss zügig einen konkreten und wirkungsvollen Luftreinhalte– und Aktionsplan aufstellen und darf das Problem nicht länger aussitzen,“ fordert der Mietervereinsvorsitzende Stefan Kaisers. Fahrzeuge ohne moderne Abgasreinigungstechnik sollten nur noch eingeschränkt fahren dürfen. Für den Anlieferverkehr sei ein Stadt- Logistik- Konzept zu entwickeln. Und der Betrieb von Kleinfeuerungsanlagen in Haushalten und bei sonstigen Kleinverbrauchern, die mit festen Brennstoffen und Holz (Pellets, Scheitholz,..) betrieben werden, sollte nicht mehr genehmigt werden. Bei vorhandenen Anlagen , die oftmals neben einem vorhandenen Zentralheizungssystem betrieben würden, müsse es ebenfalls Restriktionen geben. Wer den Kamin- oder Kachelofen als „Statussymbol des pfiffigen Globalisierungssurfers lobe, um mit dem Brennstoff Holz aus dem heimischen Wald gegen Klimaerwärmung und den Irakkrieg anzugehen, der befinde sich auf dem Holzweg und streue den Bürgern Staub in die Augen“.
Eine moderne Heizung, die mit Erdgas betrieben werde, gebe 9 mg Feinstaub pro KiloWattstunde (KWh) Heizleistung ab, ein Heizöl-Heizung schon 31 mg. Beim Verbrennen von Holzpellets/Scheitholz seien es aber bereits 80 bzw. 383 mg ! Dagegen stoße ein durchschnittlicher Diesel- PKW ohne Filtersystem „nur“ 26 mg Feinstaub aus.
„Da ist es höchste Zeit, dass die Politik aufwacht und hinter dem Ofen hervorkommt“, heißt es abschließend in der Erklärung des Mietervereins.
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