Gießen, den 09.04.2005
Was tun bei zu hohen Heizkosten ?
Beim Mieterverein sorgen die Nebenkostenabrechnungen dafür, dass die Rechtsberater alle Hände voll zu tun haben. „In unseren Beratungszeiten geht es rund, viele Mieter müssen erhebliche Beträge an Nebenkosten nachzahlen“, sagt Stefan Kaisers, der Vereinsvorsitzende.
Das liegt vor allem an den stark gestiegenen Energiekosten, die sich bei den Abrechnungen für 2004 bemerkbar machten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der Preis für Heizöl zwischen Februar 2004 und 2005 um 30,5 Prozent gestiegen, der für Gas um 7,5 Prozent und der für Fernwärme um 5,9 Prozent. Im Vergleich dazu haben im gleichen Zeitraum die Verbraucherpreise nur um 1,8 Prozent angezogen.
Die Heizkosten machen aber mit 40 Prozent den größten Anteil an den Betriebskosten aus, und deshalb kommen auf die Mieter heftige Nachzahlungen zu. „Wer mit Heizöl heizt, muss 20-30 Prozent mehr zahlen“, erklärt Kaisers. „Bei einer 90 Quadratmeter -Wohnung sind das Mehrkosten von 200 bis 300 Euro im Jahr.“
Der Rohölpreis hat in den vergangenen Monaten alle Rekordmarken durchbrochen und er steigt weiter. Zum Ärger der Verbraucher- und Mieterorganisationen ist in Deutschland der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt, so dass auch bei dieser Energieform die Kosten steigen. Fehlender Wettbewerb und mangelnde Regulierung bescherten den Deutschen europäische Spitzenpreise für Gas. Gas ist hierzulande um 50 Prozent teurer als in Großbritannien. Doch auch innerhalb der Bundesrepublik gibt es deutliche Preisdifferenzen. Das zeigt ein Blick in den „Brennstoffspiegel“, der monatlich die aktuellen Preise veröffentlicht. Danach unterscheiden sich die Ölpreise um bis zu 13 Prozent je nach Region, beim Gas macht der Unterschied bis 37 Prozent aus. Der Gaspreis in Gießen liegt im Mittelfeld.
Ganz hilflos sind die Mieter gegen die hohen Heizkosten aber nicht. „Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, wie man Einsparungen erreichen kann“, sagt der Mietervereinsvorsitzende. „Richtiges Lüften, das heißt Stoßlüften, und nicht die Fenster dauerhaft auf Kipp stellen, im Winter die Rollläden frühzeitig herablassen und der Einbau von Thermostatventilen hilft schon etwas. Wenn man dann noch die Raumtemperatur etwas reduziert, sinkt der Verbrauch um 6 Prozent mit jedem Grad Celsius weniger. Rauschen und Knacken in den Heizkörpern kann ein Hinweis sein, dass die Umlaufpumpe der Heizung nicht richtig eingestellt ist. Hier sollte der Mieter dem Eigentümer Bescheid sagen.
Hauseigner sind gut beraten, die Heizungsanlage auf ihre Wirtschaftlichkeit hin prüfen zu lassen, vor allem, wenn das Aggregat älter als 20 Jahre ist. Das Messprotokoll des Schornsteinfegers gibt Hinweise auf eine defekte Heizung. Auch die Isolierung der Heizungsrohre ist in vielen Häusern noch mangelhaft, und durch eine Sanierung der Gebäudehülle lässt sich oft der Energieverbrauch halbieren.
Für die Mieter bietet sich noch ein anderes Einsparpotential an. Nach Angaben des Mietervereins ist jede zweite Nebenkostenabrechnung falsch. „Mieter sollten daher die Abrechnung kritisch prüfen “, meint Stefan Kaisers und er regt an, einen Vergleich des Energieverbrauchs mit anderen Häusern zu machen.
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