Giessen, den 10.05.2011
Auf den ersten Blick sei der Wechsel der Kooperationspartner unproblematisch. Der Firmennamen beider Stromanbieter klingen zum Verwechslen ähnlich und „Naturstrom" habe einen guten Beiklang.
„Doch sieht man sich die Firmen genauer an, wird das Bild schnell getrübt. Die Firma „Naturstrom Rheinland-Pfalz GmbH" gehört nach eigenen Angaben zur KEVAG-Unternehmensgruppe, die ihrerseits zu 57,5% im Eigentum der RWE ist, eben jenes Atomstromriesen, der erst kürzlich gegen die Stilllegung seiner Atomkraftwerke in Biblis mit einer Klage angegangen ist. Es drängt sich dem kritischen Beobachter auf, dass die Unternehmenserträge der Tochter „Naturstrom Rheinland-Pfalz GmbH" letztlich in die Kassen des Mutterkonzerns RWE fließen, der weiterhin stur an Atomkraft festhalten will und sich mit aller Macht gegen die Energiewende stemmt", sagt Kaisers.
Die Firma „Naturstrom AG" hingegen, von den Umwelt- und Verbraucherverbänden mit dem geprüften „Öko Strom Label" ausgezeichnet, gehöre seit Jahren zu den wenigen Ökostrom-Direktvermarktern in Deutschland. Die Firma sei ein unabhängiger Anbieter. Sie kaufe von mehr als 80 Wasserkraftwerks- und Windenergieanlagenbetreibern den Strom und gebe ihn direkt an ihre Kunden weiter. Mit der Direktvermarktung würden die Investitionen in neue Anlagen zur Erzeugung von Ökostrom attraktiver. So sei in der Vergangenheit der Bau von 170 neuen Anlagen unterstützt worden, die sonst vielleicht nicht gebaut worden seien. Weil der Strom der Naturstrom AG zu 100 % aus erneuerbaren Energien stamme, sei das Unternehmen auch von der Zahlung der EEG-Umlage befreit.
„Die Stadtwerke Gießen AG müssen sich also fragen lassen, warum sie den bewährten Ökostromanbieter gewechselt haben", so Kaisers. „Wenn es am Strompreis liegt, ist das im Wettbewerb zwar ein wichtiger Punkt , aber für die kritischen und umweltbewussten Ökostrom-Privatkunden ist es ebenso bedeutsam, ob ihr Ökostromanbieter eine unabhängige Geschäftsstruktur habe, die frei von der Atomindustrie sei. Kaisers fragt : "Wie können die SWG garantieren, dass ihre Ökostromkunden mit dem Abschluss eines Ökostromtarifs des neuen Kooperationspartners nicht insgeheim den Atomkurs der RWE mitfinanzieren ?" Und er fügt hinzu: "Wir erwarten vom neu besetzten Aufsichtsrat der SWG, dass er der Unternehmensleitung genauer als bisher auf die Finger sieht. Notfalls muss der Vorstand auch zur Änderung zweifelhafter Entscheidungen überredet werden", verlangt Kaisers.
Kaisers verweist auf das neueste Heft „Finanztest" der Stiftung Warentest, das in einem Beitrag empfehlenswerte Ökostromanbieter auflistet. Der neue Kooperationspartner der SWG gehöre nicht dazu.